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Wenn die Würde eines Menschen verletzt wird, dann wird nicht nur ein "Recht ", sondern das "Menschsein" in Frage gestellt

 In seinem Weihnachtsgruß führ Ayatollah Ghaemmaghami aus:

 

Wenn die Würde eines Menschen verletzt wird, dann wird nicht nur ein "Recht", sondern das "Menschsein" in Frage gestellt

 

Im Namen Gottes, Gott des Friedens und der Liebe

 

Liebe christliche Schwestern und Brüder,

ich gratuliere Ihnen zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr.

Der Glaube an das Himmelreich, uneingeschränkte Liebe zu allen Menschen, sogar zu Feinden, und Hoffnung sind die wichtigsten Botschaften Jesu Christi. (nach 1. Korinther, 13:13)

Diese Botschaften haben heute mehr als je eine heilende Kraft.

Das Gottesreich, zu dem Jesus alle Menschen ruft, gehört nicht einer bestimmten Gruppe oder Schicht, sondern erfasst alle Menschen. Darum will er mit seiner Botschaft die Einheit und Eintracht aller Menschen erreichen und nicht ihre Zwietracht.

Jesus, als Heiler von Leib und Seele, lehrt, dass Menschen ihren Nächsten Liebe spenden, aber dies nicht eigennützig (wie Händler und Kaufleute) tun, sondern als eine ethische Tugend und aus Menschenliebe, die sogar die Feinde erfassen soll. (nach Matthäus, 5: 43-48)

Er ruft  alle Menschen zum Himmelreich und ruft sie gleichzeitig zur uneingeschränkten Liebe  zueinander. Dies bedeutet, dass das Himmelreich nur durch Liebe zu den Geschöpfen Gottes erreicht wird, eine Liebe "... wie zu sich selbst." (Matthäus, 19:19)

Jesus sieht jede kleine Beleidigung eines Menschen so anstößig und verwerflich, dass dem Täter dafür die Gnade Gottes nicht mehr zuteilwird (nach Matthäus, 5:22). Er sagt dies deshalb, weil hier die Würde eines Menschen verletzt wird. Die Würde ist mehr als ein Menschenrecht, sie ist untrennbar mit der Identität des Einzelnen verbunden. Wenn die Würde eines Menschen verletzt wird, dann wird nicht nur ein "Recht", sondern das "Menschsein" in Frage gestellt. Also darf unter keinen Umständen die menschliche Würde verletzt werden.

Jesus lehrt, dass die Menschenwürde unter keinem Vorwand und niemals im Namen der religiösen Gesetze beeinträchtigt werden darf: "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." (Markus, 2:27)

Alle Menschen sind unabhängig von ihrer Überzeugung und ihrem Glauben zuallererst Menschen und  Adam´s und Eva`s Kinder. Die Vielfalt von Glaubensrichtungen darf nicht ein Grund für Klassifizierung von Menschen und deren Trennung und Feindschaft werden. Vielfalt und Unterschiede sind von Gott gewollt und können aus dem menschlichen Leben nicht weggedacht werden. Alle Offenbarungsreligionen predigen trotz ihrer Unterschiede die Einheit Gottes (Monotheismus). Daraus folgt, dass Menschen  trotz aller Unterschiede und Verschiedenheiten die "Eintracht" und "Einheit" untereinander erreichen können, denn alle Religionen gehen trotz Unterschiede auf eine gemeinsame und einigende Einheit zurück.

Darum sollen wir anstatt einer  "gesetzesorientierten Theologie“  (im Volksmund basierend auf der Sharia) vor allen Dingen eine "Theologie der Liebe und des Friedens" anstreben.

Ich erbitte  uns vom allmächtigen Gott, dass das Neue Jahr ein Jahr der "Globalisierung der Liebe und des Friedens" wird.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer verehrten Familie ein glückliches, gesundes und gesegnetes Neues Jahr.

23.12.2011

Ayatollah Seyed Abbas Hosseini Ghaemmaghami

 

Vorsitzender des Instituts für rational-islamische Rechtsfindung und Friedenstheologie (IFRIR)

Vorsitzender der "Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen" ( IEUS )